Geschichte des Klinikums Chemnitz und seiner Vorläufer

Auch unsere Häuser spiegeln das frühe 20. Jahrhundert, die DDR-Zeit, aber auch die unmittelbare Gegenwart wider. Mit großen Anstrengungen, die bis heute laufen, sind und werden viele Immobilien für unsere Patienten saniert. Zahlreiche Erweiterungs- und Ergänzungsbauten haben die Möglichkeiten für Diagnose, Behandlung und Pflege wesentlich verbessert. Um Kosten zu senken, mussten wir uns auch von einigen Gebäuden, für die keine Verwendung mehr bestand, trennen.

Informieren Sie sich auf diesen Seiten über die Geschichte unserer Häuser.

Allgemein

Die Klinikum Chemnitz gGmbH (KC) ging aus den Städtischen Kliniken Chemnitz hervor. Die historischen Wurzeln des Unternehmens führen bis zu einem "Hospital vor den Toren der Stadt", das urkundlich 1350 genannt wird, und dem Hospital St. Georg, das 1395 erstmals Erwähnung findet. In den folgenden Jahrhunderten war die medizinische Versorgung an die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt gebunden und verharrte auf bescheidenem Niveau und Umfang.

Das erstaunliche Wachstum von Chemnitz im 19. Jahrhundert, die Folge enormer Investitionen in eine moderne Industriewirtschaft, ließ die Bevölkerungszahl über 100.000 (1883) auf 360.000 im Jahr 1930 ansteigen. Parallel wurden angemessene Krankenhausneubauten zur medizinischen Versorgung erforderlich, die von Mitte des 19. Jahrhunderts bis Ende des Ersten Weltkriegs überwiegend in der Regie der Kommune errichtet wurden.

So wurde am 11. April 1905 das heutige Krankenhaus Dresdner Straße als "Nerven- und Siechenheilanstalt Chemnitz" in Betrieb genommen. 1915 errichtete die Stadt das Krankenhaus im Küchwald. 1918 folgte die Frauen- und Säuglingsklinik.

Diese Bauten bildeten mit dem noch etwas älteren Krankenhaus an der Zschopauer Straße den Kern der kommunalen Krankenhausstruktur von Chemnitz bis in die siebziger Jahre hinein, in dem die Krankenhäuser der Stadt in das staatliche Gesundheitswesen, aber unter regionaler Leitung, integriert wurden. Zu DDR-Zeiten wurde in Gebäudesubstanzen wenig investiert, Reparaturen und Übergangslösungen waren die Regel. Kliniken und andere medizinische Einrichtungen bildeten diesbezüglich keine Ausnahme. Ein städtisches Krankenhaus musste in der Folge aufgegeben werden, vier große Standorte galten in den siebziger Jahren als Sanierungsobjekte, die mangels Alternativen weiterbetrieben wurden. Mit dem Bau des Bezirkskrankenhauses konnte schließlich Anfang der achtziger Jahre eines der größten Krankenhäuser der DDR errichtet werden. An der desolaten Situation der Alt-Immobilien änderte dieser Neubau freilich nichts. Auch die vorgehaltene Medizintechnik in den Städtischen Kliniken war weit entfernt vom westlichen "state of the art". Eine Ausnahme bildete die Anschaffung eines Siemens-Computertomographen, der 1987 in Karl-Marx-Stadt in Betrieb genommen wurde.

Die politische Wende 1989 setzte eine Zäsur, die eine Neubewertung des ostdeutschen Gesundheitswesens erforderlich machte. Die Bestandsaufnahme war in Chemnitz in vielerlei Hinsicht ernüchternd. Auch die enorm hohen Bettenzahlen, die aufgrund des Mangels von Pflegeheimplätzen seinerzeit unverzichtbar blieben, waren jetzt nicht mehr haltbar. Neben den alten Gebäuden, die partiell über 80 Jahre alt waren, zeigten sich selbst am sogenannten Neubau des Bezirkskrankenhauses, der 1983 eröffnet worden war, erhebliche Abnutzungserscheinungen. Dass den Städtischen Kliniken dennoch gute Perspektiven eingeräumt wurden, lag vor allem am hervorragend ausgebildeten Personal.

Die Umwandlung des städtischen Eigenbetriebes, der auch in Chemnitz die typischen Schwächen dieser Konstruktion wie lange Entscheidungswege und riskante Belastungen für den städtischen Haushalt zeigte, in eine gemeinnützige GmbH trug bald Früchte. Umstrukturierungen und Neuausrichtungen ließen sich sinnvoller und nachhaltiger angehen.

Man setzte nun auf eine zielgerichtete Investitionspolitik, die auf drei Säulen basiert: Personal mit hohem Ausbildungs- und Weiterbildungsstandard, zeitgemäße wie gleichermaßen zukunftsfähige Immobilien und die Einführung neuester Medizintechnik.

Als wesentlich für die Entwicklung der Immobilien der Klinikum Chemnitz gGmbH erwies sich das Krankenhausförderprogramm, das der Freistaat Sachen aufgelegt hatte. Im Zuge dieses Programms konnte Zug um Zug ein Großteil der Altbauten an drei Standorten umfassend saniert und umgebaut werden. Heute korrespondieren diese Gebäude architektonisch wie geplant mit den Neubauten aus der DDR-Zeit und den Ergänzungsbauten aus den 90ern. Und die 1911 am Stadtrand begründete Lungenheilstätte Borna wurde ebenso wie das 1946 eingerichtete Krankenhaus Scheffelstraße in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts in die Hauptstandorte Flemmingstraße und Küchwald integriert.

Das Hospital St. Georg in Chemnitz

Grundzüge der Geschichte des Hospitals St. Jorgen vor der stat Kempnicz

Ein großes hölzernes Haus stand seit dem ersten großen Stadtbrand und der ersten Pestwelle um 1350 vor dem Chemnitzer Johannistor am Weg nach Schellenberg, dem heutigen Augustusburg. Im Inneren befand sich ein einziger großen Saal mit einem Altar von 1423. An den Wänden einige Kastenbetten mit Raum für fünf bis zwölf arme und kranke Sieche, von denen sich mehrere jeweils ein Bett teilen mussten. Ein Umstand, der selbst im Lazarett von 1774 noch üblich war. Weniger Bedürftige, wie Waisen, Krüppel, Pilger und Bettler fanden auf Strohsäcken Platz, so dass im Notfall, wie 1555 belegt, bis zu 30 Personen im Haus untergebracht werden konnten.

Mit der Pflege der chronisch Kranken, der Siechen, waren deren Mütter, Töchter, Schwester oder Gatten noch um 1700 beschäftigt, einen Hospitalorden oder Pflegepersonal gab es im Gegensatz zu den reicheren Hospitälern in Leipzig oder Zwickau im Mittelalter nicht. Einer der zwei Bader der Stadt badete die Kranken regelmäßig, seitdem er als Zinspflichtiger des Hospitals 1401 dazu verpflichtet worden war. Er konnte bei dieser Gelegenheit nach dem Rechten sehen. Im Notfall stand er mit medizinischem Rat vor allem jedoch mit handwerklich chirurgischer Tat zur Seite. Da neben den beiden Badern, ab 1414 auch der der Glauchstube , viele andere Bürger der Stadt und der Vororte durch Landschenkungen dem Hospital zinspflichtig geworden waren, bestimmte die Stadt alsbald zwei Räte zu Vorstehern des Hospitals.

Als solche waren sie vor allem mit der Verwaltung der Spendenzinsen aber auch mit der Leitung der Hospitalwirtschaft beschäftigt: vom Verteilen der Einnahmen aus Spenden an die Insassen, der Einstellung von Hilfskräften für die Arbeit im Hospitalgarten bis hin zum Einkauf von Nägeln für Reparaturen.

Aus Holznäpfen wurde dann im Hospital gespeist, was die hospitaleigene Garten- und Feldwirtschaft sowie die Verpachtung hervorbrachten oder was die Verwandten sich vom Munde absparen konnten. Die Hufe Land, die Markgraf Friedrich in der Zeit der größten Not 1350 dem Hospital geschenkt hatte groß genug für die Versorgung einer Familie sicherte nur den Grundbedarf. Man war auf die vielen kleinen mildtätigen Gaben der Mitbürger angewiesen, die im Gegensatz zu markgräflichen Stiftungen nur selten in Quellen Niederschlag fanden. Unverzichtbar als Gegenleistung für diese frommen Gaben und die Stiftungen waren nach vorreformatorischer Ansicht die Messe und das Gebet der armen und bedürftigen Insassen für das Seelenheil der Spender. Diese Messe wurde seit 1395 täglich zu morgendlicher Stunde von einem Altaristen der Johanneskirche gehalten. Dieser mag die Insassen aufgefordert haben, sich sittlich und fromm zu verhalten, wie dies Jahrhunderte später noch die Pfarrer und Diakone von St. Johannis taten, nicht allein um das Seelenheil der Spender zu sichern, sondern auch um die Genesung der Insassen nicht zu gefährden. Noch 1695 legten die Chemnitzer Bader fest, dass ein Patient, der mit seinem bösen und unordentlichen Leben die Krankheit mutwillig verschuldet habe, die Unkosten der Behandlung zurückzuerstatten hatte.

Seit 1395 wurde das kleine Chemnitzer Hospital nach seinem Altar als St. Georg (umgangssprachlich St. Jorgen) bezeichnet. Das St. Georg war allem Anschein nach ein typisches Hospital des Mittelalters in einer kleineren für den sächsischen Raum dafür umso typischeren Stadt. In einem solchen Hospital wurden die verschiedenen Formen der Bedürftigkeit nach den Maßstäben der christlichen Nächstenliebe (Matthäus 24, 35-40) zusammengefasst: Fremde, Arme, Kranke, Nackte, Durstige... Jedoch nahmen solche Einrichtungen oftmals nicht mehr als eine symbolische Zahl von 12 Insassen auf, die dort gepflegt oder versorgt wurden.

Eine Heilung von Kranken war im Gegensatz zum arabischen Hospitaltyp nicht das vorrangige Ziel (in Bagdad zum Beispiel kamen seinerzeit auf 100 Betten 24 spezialisierte Ärzte). Erst zu Ausgang des Mittelalters um 1523 wurde in Chemnitz ein universitär gebildeter Stadtarzt eingestellt. Dieser war für allgemeine Gesundheits- und Hygienefragen, so die Seuchenvorsorge, zuständig und nicht direkt im Hospital angestellt.

Die zum Teil sehr fähigen Ärzte - und vor allem der kurfürstliche Leibarzt Georgius Agricola - begutachteten lediglich Krankheitsfälle, wiesen in die Hospitäler ein und gaben Behandlungsanweisungen für die Bader.

Über die Baulichkeit des Chemnitzer Hospitals im Mittelalter kann man nur Vermutungen anstellen, da das ursprüngliche Gebäude im Schmalkaldischen Krieg (1547) abgebrochen wurde. Allerdings wird das Hospital wie nicht nur die gesamte Johannisvorstadt, sondern bis 1430 auch die Johanniskirche aus Holz und Lehm bestanden haben. Noch vor der Reformation wurde der Altar im Hospital zur eigenständigen, vielleicht auch steinernen Kapelle ausgebaut. Zudem sind für die Felder und den Garten des Hospitals Wirtschaftsgebäude zu vermuten, jedoch ist außer einem Stall beim Hospital nichts zu belegen.

Als armes, multifunktionales Hospital ist das Chemnitzer St. Georg von Schwesterspitälern in den größeren Städten des Umlandes scheiden. So entwickelte sich das Zwickauer St. Georg schon relativ früh zu einem Hospital für die ältere zahlungsfähige Bürgerschaft, unter anderem für Bürgermeister: einem so genannten Pfründnerhospital mit Vollversorgung im Falle von Krankheit oder Alter.

Das Leipziger St. Georg hingegen unterschied sich vor allem durch seine Größe (150 Insassen), seinen durch die lokalen Händler gestifteten Reichtum (14.000 Gulden Spenden allein im 16. Jahrhundert) und die bessere Ausstattung (mehrere Hospitalhäuser, ein eigenes Bade- und Pestillenzhaus mit Ärzten und Bader und Mägde zur Krankenpflege) vom Chemnitzer St. Georg.

Doch auch in Chemnitz kam es seit dem Ende des 14. Jahrhunderts zu einer Spezialisierung und Ausweitung des Hospitalwesens. Kurz nach dem Hospital vor der Stadt (St. Georg) entstand um 1365 der Siechhof vor dem Klostertor. Später als Hospital zum Hl. Geist bezeichnet, diente dieser der isolierten Unterbringung der Sondersiechen wie Leprakranken und von lepraähnlichen Hauterkrankungen Befallene. Zudem entstanden für Bettler und die Stadtarmut die Konvente auf der Bach (1421) und in der Lohgasse (1440), die später auch von Pilgern genutzt wurden; seit 1455 florierte in Ebersdorf eine Wallfahrt.

In der Nähe des Hospitals St. Georg und eines weiteren Armenhauses in der Johannisvorstadt entstanden zudem um 1500 mit zwei Franzosenhäusern Aufenthaltsorte für Syphilisbefallene. Somit wurde eine bessere Trennung der infiziösen Kranken von anderen Bedürftigen und damit eine bessere Gesamthygiene erreicht. Dennoch blieb St. Jorgen bis zum 30-jährigen Krieg ein Sammelpunkt für viele verschiedene Arten der Bedürftigen: vom Waisen über den bettlägerigen Kranken bis zum verarmten, alten Bürger.

Mit der Reformation und dem Angriff auf den Ablasshandel brach auch die mittelalterliche Versorgungsgrundlage des Hospitals, die Spenden für Seelenheil, zusammen. Erst nach und nach wurde durch testamentarische Stiftungen, die Einrichtung eines regulierten Spendensystems (Armenkasten), Schenkungen aus der Stadtkasse und Anteile aus der kurfürstlichen Steuereinnahme der Hospitalhaushalt saniert. Zeitweilig war die Versorgung der Insassen nicht gewährleistet und diese wieder einmal auf das Betteln für ihr tägliches Brot angewiesen. Sämtliche Güter bis hin zum Garten neben dem Spital wurden von den Vorstehern verpachtet. Trotz dieser Probleme ist einen schnelle Wiedererrichtung nach der Zerstörung von 1547 sicher, welche spätestens 1555 abgeschlossen war. Keine hundert Jahre nach diesem Wiederaufbau hatte das Hospital im 30-jährigen Krieg, wie die gesamten Vorstädte, unter den wechselnden Belagerungen und Einquartierungen zu leiden, die in der erneuten Zerstörung des Hospitals im Jahr 1632 resultierten.

Im Gegensatz zur Georgskapelle, die von 1708 - 1711 wiederrichtet wurde, nahm das Hospital seinen Betrieb schon 1653 wieder auf. Seine Ausrichtung hatte sich jedoch grundsätzlich geändert. Statt der 30 verschiedenartigen Bedürftigen fanden nun wenige vor allem gebrechliche, arme und alte Chemnitzer Bürger Aufnahme. Die sechs bis neun Freistellen des Hospitals, die keineswegs eine Vollversorgung bedeuteten, sondern lediglich freie Wohnung und Feuerholz, waren begehrt und wurden mit Verdiensten um die Stadt und handfesten finanziellen Geschenken umworben. Die Fürsprache des Pfarrers, ein Befehl des Kurfürsten und Polnischen Königs oder auch Beziehungen zum Rat waren beim Eintritt hilfreich.

Den Insassen stand mit den seit 1700 eingerichteten eigenen Kammern mehr Komfort zu. Zudem wurden sie vom seit 1704 im Obergeschoss beherbergten Diakon von St. Johannis beaufsichtigt und betreut. Das trotz der eher als mangelhaft zu charakterisierenden Versorgung der Insassen ein solch großer Andrang auf die Freistellen existierte, mag ein Hinweis auf die Not unter der Chemnitzer Bevölkerung in dieser Zeit sein.

Eine der wichtigsten Aufgabe des Hospitals lässt sich erst in dieser Zeit genauer belegen. Es war für die Unterbringung der Pestkranken zuständig. Neben dem Patrozinum der Hl. Georg tötet in der Legenda Aurea einen Pestdrachen weist auch die Lage des Hospitals in der Nähe des Pestfriedhofs bei der Johanniskirche auf diesen Fakt hin.

Erst die nach der großen Pestwelle von 1680 bezeichnenderweise hinter dem Hospital errichteten zwei Pestlazarette entlasteten das Spital in dieser Hinsicht. Der Lazarettwärter, der diese Häuser zu betreuen hatte, wurde wie auch die Totengräber der Johanniskirche, aus der Kasse des Hospitals bezahlt. Als Siechenmann hatte der Lazarettwärter in pestlosen Zeiten auch die gewöhnlichen Kranken, verletzte Soldaten, kranke Bettler und Waisen zu pflegen. Die Lazarette scheinen somit in der Tradition des Hospitals gestanden und diese fortgeführt zu haben, während das Hospital nach und nach zu einem Altenheim degenerierte.

1861 wurde das zweistöckige und schon seit Mitte des 18. Jahrhunderts als baufällig beschriebene Gebäude an der Ausfallstraße nach Augustusburg verkauft und 1878 endgültig abgerissen. Die weitere Entwicklung des Hospitals nahm in dem 1865 neu eingeweihten Gebäude in der Feldstraße seinen Verlauf, das besser auf die rasant wachsende Industriestadt Chemnitz zugeschnitten war.

Thomas Lang
Universität Leipzig
Historisches Seminar
(2008)

Das Bezirkskrankenhaus Karl-Marx-Stadt

Es erscheint elementar, den Bau des Bezirkskrankenhauses Karl-Marx-Stadt im Kontext jener Zeit zu verstehen. Freilich war es so: Neue Krankenhäuser dieser Größenordnung hatten in der chronisch klammen DDR Seltenheitswert. Die damals vielgepriesene Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik , die die drastischen Einschränkungen persönlicher Freiheit und die zahlreichen Widersprüche im Alltag übertünchen sollte, scheiterte bei Spezialprojekten wie Großkrankenhäusern nicht am Wollen, sondern an der Planwirtschaft mit ihrer Crux aus Mangel, fehlenden Anreizen und Desinteresse.

Damals war dieses Bezirkskrankenhaus für die hiesige Bevölkerung ein Haus der Superlative. Nach dem spektakulären Neubau der Charité in Berlin und dem Universitätsklinikum in Halle-Kröllwitz soll das mit leichter Verspätung realisierte Karl-Marx-Städter Projekt die drittgrößte Einzelinvestition in den 40 Jahren des DDR-Gesundheitssystems gewesen sein.

Der Gesamtkomplex entsprach in seiner Optik eher jenen Krankenhäusern, die man aus amerikanischen Fernsehserien kannte: das Komplement als klarer Baukörper ausgeführt, das Bettenhaus als zehngeschossiger Hochbau mit Balkons und einer Streifenfassade. Der Gesamtkomplex war ein Entwurf, in dem Zitate aus dem Bauhaus, der Neuen Sachlichkeit und dem International Style durchaus stilsicher eingebunden waren.

Das Projekt ging ursprünglich auf einen Beschluss aus dem Jahr 1968 zurück, der die Bildung eines Bezirkskrankenhauses an einem zentralisierten Ort vorsah. Die Bestandsaufnahme zu jener Zeit muss erschreckende Fakten ans Licht gebracht haben, Fakten, die freilich öffentlich undiskutierbar waren. Die alten Großkrankenhäuser an der Zschopauer Straße (aufgegeben, heute saniert in anderer Nutzung), an der Karl-Winter-Straße (heute Scheffelstraße, in der zweiten Hälfte der 90er Jahre aufgegeben), an der Leninstraße (heute als Bethanien-Krankenhaus an der Zeißigwaldstraße), an der Dresdner Straße und nicht zuletzt am Küchwald wurden auf Verschleiß gefahren. Die absehbaren Folgen traten schließlich alle ein. Diese Situation lässt sich auch aus der Fehlstruktur der DDR-Bauwirtschaft erklären. Jene war inzwischen auf die serielle Errichtung von Einheitsneubauten ausgerichtet. Die für Sanierungen notwendigen Handwerksfirmen waren ausgeblutet, keineswegs interessiert an staatlichen Aufträgen und schlichtweg nicht mehr existent.

Der entsprechende Ministerratsbeschluss zum Karl-Marx-Städter Krankenhaus-Neubau datiert dann erst auf den Juli 1974. Diese Entscheidung war sicher ein Vorbote der Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik, mit der sich Parteichef Erich Honecker bei der Bevölkerung auch außerhalb des verhätschelten Ost-Berlins noch einmal ins Gespräch bringen wollte. Insgesamt acht neue Bezirkskrankenhäuser waren seinerzeit in der DDR geplant. Offizielles Zahlenmaterial ist bis heute kaum verfügbar: Man geht aber von einer Investsumme von über 100 Millionen DDR-Mark für den Karl-Marx-Städter Neubau-Komplex aus. Die nach jahrelanger Unterbrechung dann recht konsequente Umsetzung des Projektes war wohl auch als ein Versuch zu verstehen, der längst enttäuschten Bevölkerung ein Angebot zu machen, das man nicht abschlagen konnte.

Die Grundsteinlegung für das neue Bezirkskrankenhaus fiel auf den 12. Mai 1976. Als Immobilie stand eine unbebaute Fläche von 65.000 Quadratmetern im Stadtteil Altendorf südlich des Crimmitschauer Waldes zur Verfügung. In östlicher Nachbarschaft existierte bereits die Frauen- und Säuglingsklinik, in östlicher Richtung - allerdings unterbrochen durch eine Bahnlinie - arbeitete das Küchwald-Krankenhaus. Für den Entwurf wurde vor allem auf die Pläne für das Bezirkskrankenhaus Suhl zurückgegriffen, ebenso flossen bewährte Lösungen vom etwas größeren Universitätskrankenhaus in Halle-Kröllwitz ein, das 1979 übergeben wurde. Möglicherweise spielte auch das etwas kleinere Projekt in Neubrandenburg eine Rolle bei der Planung.

Die Pläne, zum Jahresende 1980 den Gesamtkomplex zu übergeben, waren schließlich nicht zu halten. Der Montagebeginn am Komplement fiel auf den 1. März 1977, die Richtkrone für den Fünfgeschosser wurde am 15. Mai 1978 aufgezogen. Richtfest für die Poliklinik war am 19. Juli 1979, damit ging der Abschluss der Rohbauarbeiten aller Hochbauten des Komplexes einher.

Die feierliche Eröffnung am 10. Dezember 1981 geschah im Beisein von Siegfried Lorenz, dem 1. Sekretär der staatstragenden Partei. Lorenz galt zu jener Zeit für nicht wenige in der Bevölkerung als offener Funktionärstyp, dem man die selten gewordenen Hoffnungsträgerqualitäten zubilligte. Letzteres war freilich eine zugedachte Rolle, die ihm bis zur Wende fremd blieb. Dennoch hielt sich die Mär, dass die Fürsprache von Lorenz den Bau, dessen Errichtung wesentliche Teile der Bauwirtschaft im Bezirk Karl-Marx-Stadt über Jahre anspannen sollte, erst ermöglicht hatte. Längst hatten die Karl-Marx-Städter Ende der 70er Jahre realisiert, dass der Status der ausgelasteten Industriestadt offenbar nicht genügte, ein Stück vom dünnen Kuchen der Mangelwirtschaft zu erhalten. Wieder andere sahen im stilistisch konsequent neuen Bezirkskrankenhaus eher eine Avance des Staatschefs Erich Honecker, dessen Wahlkreis für die Volkskammer seit den siebziger Jahren aus unerfindlichen Gründen in Karl-Marx-Stadt angesiedelt war, an die Bürger. Diese Förderervariante ist nach Aussagen von Insidern wohl als wahrscheinlicher zu betrachten.

Es brauchte nicht viel Zeit, bis sich der Begriff Bezirkskrankenhaus für den Neubau in weiten Teilen der Bevölkerung im Karl-Marx-Städter Großraum eingebürgert hatte. Diese Bezeichnung hat sicher nicht ganz die Dauerhaftigkeit wie das Küchwald-Krankenhaus erreichen können, ist aber in der Alltagssprache von älteren Mitbürgern bis heute verbreitet.

Die Unterschiede zu den bekannten Standards waren damals offenkundig. Die hellen Vier-Bett-Zimmer mit Balkon erschienen als Luxuslösung im Vergleich zu den weiter vorhandenen Massenzimmern mit oft undichten Fenstern, katastrophalen sanitären Einrichtungen und dem allgegenwärtigen Verschleiß. Die Kombination des Krankenhauses mit einer Poliklinik und einer großen Physiotherapie ergab eine effektive medizinische Betreuung in allen Versorgungsebenen. Fachrichtungen wie die Neurochirurgie und die Nuklearmedizin, die in Karl-Marx-Stadt bisher nicht vertreten waren, wurden eingeführt. Ebenso warb man aktiv, um erfahrene Mediziner an die Kliniken des neuen Bezirkskrankenhauses zu ziehen.

Die unabdingbare ideologische Garnierung des Krankenhaus-Projektes fiel dagegen vergleichsweise moderat aus. So erhielt das Bezirkskrankenhaus recht bald die Zusatzbezeichnung "Friedrich Wolf". Namensgeber war der gleichnamige Arzt und Schriftsteller, der schon damals mehr als Vater von Staatssicherheit-Spionagechef Markus Wolf und des Filmregisseurs Konrad Wolf bekannt war. Dieser Name wurde nach der Wende recht schnell aufgegeben; das kleine Denkmal mit einer Büste von Friedrich Wolf vor der einstigen Ladenzeile erinnerte noch bis 2006 an diese Episode.

Im Anschluss an die Bauarbeiten für das Bezirkskrankenhaus wurden in den achtziger Jahren noch zwei Elfgeschosser in Plattenbauweise vom Typ IW77 als Schwesternwohnheim und Appartement-Hochhaus an der Flemmingstraße errichtet. Speziell für Ärzte und ihre Familien entstanden nördlich des Crimmitschauer Waldes Wohnblöcke gleichen Typs in der Ausführung mit großzügigen Wohnungen.

Das neue Bezirkskrankenhaus wurde als Haus der Schwerpunktversorgung profiliert und erhielt auch punktuell Zugang zu High-Tech-Investitionen. So konnte 1988 ein Siemens-Computer-Tomograph angeschafft werden, eine Technologie, die in der DDR Seltenheitswert hatte, da es im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW/Comecon) wohl keine Eigenproduktionen gab. Die Exklusivität dieser Anschaffung für Karl-Marx-Stadt wird verständlich, wenn man berücksichtigt, dass vermutlich erst seit 1985 im Regierungskrankenhaus Berlin ein Computer-Tomograph verfügbar war. Wartezeiten von bis zu 18 Monaten für eine Untersuchung sollen seinerzeit auch in Karl-Marx-Stadt nicht unüblich gewesen sein, es sei denn, man gehörte zu einer privilegierten Personengruppe.

Es bleibt ohne Zweifel festzuhalten, dass mit dem Neubau des Bezirkskrankenhauses die stationäre medizinische Versorgung der Bevölkerung von Stadt und Großraum Karl-Marx-Stadt auf ein bis dahin unerreichtes Niveau gehoben werden konnte. Dies wurde auch in der Bevölkerung so verstanden und hat neben dem hohen Qualifizierungsstand des Personals bis heute zum guten Image des Hauses beigetragen.

Uwe Kreißig

Flemmingstraße 2

Man sieht es dem großen Bauwerk an der Flemmingstraße nach der Komplexsanierung sicher nicht an: Am 10. Dezember 1981 wurde der Neubau an der Flemmingstraße 2 als Bezirkskrankenhaus Karl-Marx-Stadt eröffnet.

Der Errichtung vorausgegangen war ein Beschluss des Ministerrates der DDR aus dem Jahr 1974, dem erfüllende Investitionsentscheidungen des Rates des Bezirkes und des Rates der Stadt folgten. Als Standort wurde ein 6,5 Hektar großes Terrain im Stadtteil Altendorf bestimmt, der auch durch die verbindende Wirkung von Krankenhaus Küchwald und Frauenklinik/Säuglingsklinik sinnvoll war.

Die Lage am Rande der Stadt hinter dem Crimmitschauer Wald beschränkte zudem die Belästigungen durch Verkehr und Industrie auf ein Minimum. Die Planung und bauliche Ausführung der Stahlbetonskelett-Konstruktion übernahm der VEB Bau- und Montagekombinat Süd Karl-Marx-Stadt. Hierbei griff man auf Unterlagen für das Bezirkskrankenhaus Suhl zurück, das in ähnlicher Architektur angelegt war. Der Entwurf stammte von G. Dreißig und Kollektiv, die Standortplanung von Wolfgang Seidel.

Baubeginn im Mai 1976 - drittgrößte Investition im Gesundheitswesen der DDR

Die feierliche Grundsteinlegung fiel auf den 12. Mai 1976. Bis Mitte 1982 konnte die stadtbildprägende Anlage, die in ihrer baulichen Konzeption internationalen Vergleichen standhielt, schrittweise in Betrieb genommen werden. Anfänglich standen 757 Betten zur Verfügung, wobei es ein Novum war, dass alle Zimmer des zehngeschossigen Bettenhauses über einen Balkon verfügten.

Ergänzt wurde das Krankenhaus durch das Tiefkörper-Komplementärgebäude mit OP-Sälen, Poliklinik, Zentralsterilisation und Laboren sowie einem kleineren Bau für Technikzentrale, Verwaltung und Garagen. Abschließend kamen Anfang 1985 zwei elfgeschossige Schwesternwohnheime vom Neubautyp IW 77 hinzu. Das Gesamtprojekt war nach der neuen Charité in Berlin und dem Universitätsklinikum Halle-Dölau die größte Investition im Gesundheitswesen der DDR.

Sanierung und Rückbau zwischen 2003 - 2014

Das neue Bezirkskrankenhaus verbesserte die stationäre Versorgung der Bevölkerung in Stadt und Großraum erheblich, zumal alle anderen Krankenhäuser der Kommune zu jener Zeit baulich heruntergewirtschaftet waren.

Allerdings zeitigte die der Mangelwirtschaft geschuldete Verwendung von Materialien ungenügender Qualität und die sozialistische Mentalität, Neubauten nach ihrer Fertigstellung schlecht zu warten, die bekannten Folgen. So zeichnete sich zur Jahrtausendwende ab, dass eine Komplexsanierung des Bettenhauses unabdingbar werden würde. Alle Patientenzimmer sind im Zuge dieser Modernisierung mit einen zeitgemäßen Interieur-Standard sowie einer praktischen Sanitärzelle ausgestattet worden.

Das Komplementgebäude ist inzwischen zu wesentlichen Teilen innen sowie vollständig bei Fenster, Fassade und Isolierung saniert. Bei der Innenrenovierung wurden umfangreiche Neustrukturierungen in der Raumnutzung, insbesondere im Bereich der Zentralapotheke, Radiologie und Poliklinik, realisiert, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Der Flachbau mit dem ehemaligen Edeka, Friseurgeschäft, Apotheke, Blumenladen und dem schon länger nicht mehr genutzten Pförtnerhaus ist zu größeren Teilen seit Juni 2014 Geschichte. Er wurde abgerissen und eine Rasenfläche angelegt. Die Apotheke steht im nördlichen Gebäudeteil des Flachbaus den Kunden in gewohnter Weise zur Verfügung.

Nach einem Entwurf von Architekt Peter Koch (Chemnitz) wurde von 2004 bis Anfang 2008 an der Südseite des Bettenhauses ein 13-geschossiger Anbau errichtet. Die Planer nahmen die stadtbildprägende Anlage des DDR-Neubaus als Grundstruktur auf und erweiterten sie vertikal in südlicher Ausrichtung. Auf die exponierte geographische Lage auf einer städtischen Anhöhe wurde mit einer unkonventionellen Architektur Bezug genommen, ohne dass eine Einschränkung der Nutzflächen eintrat.

Der Anbau in Zahlen:
Architekt: Peter Koch, Chemnitz
verglaste Fächerfassade mit Wärmeschutzgläsern
Gesamthöhe: 46 Meter
13 Geschosse
8.600 Quadratmeter Nutzfläche
33.400 qm Rauminhalt des Baukörpers
126 Betten in 63 Komfortzimmern
Foyer, Funktionsräume, Verwaltungsebene
Bibliothek, Cafeteria, vollverglastes Treppenhaus

Grundsteinlegung: Anfang Juni 2004
Richtfest: 2. Juni 2006
errichtet von Mitte 2004 bis Ende 2007
Eröffnung mit Tag der offenen Tür am 6. Januar 2006

Zentrale Notaufnahme 2010 bis 2012

Im Juli 2012 ging die neue zentrale Notaufnahme des Klinikums Chemnitz am Hauptstandort Flemmingstraße 2 in Betrieb. Der Neubau ersetzte die Rettungsstelle im Komplementgebäude in der Flemmingstraße 2.

Beide Einrichtungen entsprachen aufgrund ausgeschöpfter Kapazität und begrenzter medizintechnischer Ausstattung nicht mehr den medizinischen und pflegerischen Anforderungen an eine moderne, funktionale Rettungsstelle. Zudem waren die Patientenzahlen massiv gestiegen: In den zurückliegenden zehn Jahren hat sich die Zahl der in den beiden Chemnitzer Notaufnahmen behandelten Patienten nahezu verdoppelt.

An den Investitionen für den Neubau in Höhe von rund 13,4 Millionen Euro beteiligte sich der Freistaat Sachsen über das Krankenhausinvestitionsprogramm mit rund 10,8 Millionen Euro. Die Bauarbeiten begannen im Mai 2010, die feierliche Eröffnung fand im Juni 2012 statt.

Insgesamt verfügt das zweigeschossige Funktionsgebäude über eine Nutzfläche von 1283 Quadratmeter. Das gesamte Erdgeschoss ist für die Notfallversorgung der Patienten reserviert. Hier sind zehn Untersuchungs- und Behandlungsräume, drei Schockräume für die Erstversorgung, drei Eingriffsräume, ein Gipsraum und ein Röntgenraum eingerichtet. Vier Behandlungsräume sind spezifisch ausgestattet für die Augenheilkunde, die HNO-Heilkunde, die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie für die Innere Medizin. Zur modernen medizintechnischen Ausstattung zählen ein neuer Computer-Tomograph mit verschiebbarem Gestell zur rationellen Nutzung in zwei Schockräumen, ein fahrbares Röntgengerät sowie angeschlossene Befundungsplätze.

Flemmingstraße 4

Das Gebäude der Frauenklinik, das heute von der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe genutzt wird, wurde am 9. April 1918 durch den letzten sächsischen König Friedrich August III. eingeweiht. Vorangegangen waren Planungen aus dem Jahr 1913, die konzipierten Baukosten lagen zunächst bei 1,2 Millionen Reichsmark. Baubeginn war im Juli 1914. Zugrunde lag ein Entwurf der Architekten H. Grube und O. B. Reh, der einen drei- bis viergeschossigen Gebäudekomplex mit einheitlicher Fassadengestaltung und Mansardendach vorsah. Die nach Süden orientierten Gebäude werden durch Risalite (hervorspringende Gebäudeteile) und Balkone stilistisch aufgelockert.

Bedingt durch den Ersten Weltkrieg erhöhten sich die Preise, wobei die Stadt Chemnitz, die an der Errichtung des Hauses im Sinne ihrer Einwohner sehr interessiert war, diese Kostensteigerungen ausglich. Die Gesamtkosten lagen schließlich bei rund 2 Millionen Reichsmark zuzüglich des Grundstücks mit einer Größe von 40.000 Quadratmetern, das die Kommune kostenlos zur Verfügung stellte.

Die Frauenklinik hatte seinerzeit 135 Betten für Wöchnerinnen, 100 Betten für Säuglinge, dazu kam das Mütter- und Säuglingsheim mit 40 Betten für die Mütter sowie 65 Betten für Säuglinge. Die Führung der Einrichtung, die anfänglich als "Königliche Frauenklinik" firmierte, lag zunächst in der Obhut des Königlichen Ministeriums des Inneren in Sachsen.

Von 1926 bis 1927 wurde als Erweiterungsbau das "Säuglingsheim" in einem architektonisch angeglichenen Stil errichtet. Das führte zu einer Entlastung der Frauenklinik und eröffnete gleichzeitig neue Möglichkeiten für Geburtshilfe und Frauenheilkunde.

Von Schäden durch den Zweiten Weltkrieg blieb das Gebäude verschont. Die Einrichtung hieß nach Kriegsende zunächst Landesfrauenklinik und stand in der Verwaltung der Stadt Chemnitz. In der DDR wurde das Haus endgültig den Städtischen Kliniken im Gesundheitswesen der DDR zugeordnet.

Zu DDR-Zeiten teilte das Bauwerk das Schicksal der anderen Krankenhaus-Altbauten der Stadt. Es wurde mühsam versucht, den fortschreitenden baulichen Verfall mit Instandsetzungsarbeiten aufzuhalten. Ärzte, Hebammen und Schwestern leisteten unter teilweise schwierigen Bedingungen ihre anspruchsvolle Arbeit. Die Geburtenzahlen an der Frauenklinik waren dennoch DDR-typisch hoch. So erblickten im Wendejahr 1989 bei 3592 Geburten 3657 Kinder das Licht der Welt.

Die politische Wende bedeutete die Rettung der historischen Gebäudesubstanz. Von 1990 bis zum Jahr 2000 sanierte das Klinikum in mehreren Bauabschnitten den stark angegriffenen Gebäudekomplex umfassend.

Von 1997 bis zum Jahr 2000 wurde der Neubau für die Geburtshilfe und OP-Säle der Frauenklinik (Foto) errichtet. Parallel entstanden ein neuer Verbinder zwischen den beiden Hauptgebäuden sowie ein Fahrstuhlhaus am Gebäude der einstigen Säuglingsklinik.

Mit dem Umzug der Kinderklinik von der Dresdner Straße und der Zusammenlegung mit der Säuglingsklinik zur Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Jahr 1999 erhielt der optisch außen wie innen attraktive Gebäudekomplex seine heutige Nutzung.

Bürgerstraße 2 / Küchwald – Altbauten

Altbauten von 1911 bis 1915

Bedingt durch die Unzulänglichkeiten des Stadtkrankenhauses Zschopauer Straße und fehlende Kapazitäten der seinerzeit wachsenden Stadt wurde 1899 der Plan zur Errichtung eines neuen städtischen Krankenhauses gefasst. Das Hochbauamt fertigte einen Plan für eine Anlage mit 1000 Betten, was eine enorme Größe war. In der Folge kam es aus verschiedenen Gründen zu einer Verzögerung, die schließlich zu einer Neuplanung führte. Nun wollte man ein Krankenhaus mit 1625 Betten errichten, das zu den größten Einrichtungen in Europa gezählt hätte. Die enormen Ausmaße sind auf dem Originalplan von 1916 zu erahnen.

Die Anlage wurde von 1911 bis 1915 westlich der Leipziger Straße am Crimmitschauer Wald gebaut. Der Plan stammte von Architekt A. G. Meynig. Errichtet wurde schließlich nur der südliche Teil eines axialsymmetrisch geplanten drei- bis fünfgeschossigen Komplexes, einer Kombination von Pavillon- und Kammsystem in traditioneller Bauweise.

Eingeschränkte Realisierung

Das Krankenhaus erhielt schnell die Bezeichnung "Küchwald", die sich eigentlich auf den "Küchengarten" der Mönche des ehemaligen Benediktiner-Klosters bezog, aber in der Chemnitzer Bevölkerung stark verwurzelt war.

Die Anlage umfasste eine Fläche von 128.385 Quadratmetern, bebaut wurden zunächst 27.142 Quadratmeter. Die Baukosten betrugen ohne Grunderwerb 4.645.000 Reichsmark. Ende Oktober 1911 begannen die Arbeiten, die Übergabe an die Stadt erfolgte durch kriegsbedingte Verzögerungen nicht wie geplant im Herbst 1914, sondern erst im Sommer 1915. Durch die wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkrieges konnte die Vollendung der Anlage bis in die neunziger Jahre nicht realisiert werden.

Einweihung 1915

Der erste Patient wurde am 23. September 1915 aufgenommen. Wegen des Krieges wurde das Krankenhaus auch bald als Lazarett genutzt. Bis Ende 1919 behandelten die Ärzte 2898 Soldaten.

In der Folgezeit wurde die Entwicklung des Krankenhauses wesentlich durch Hofrat Prof. Dr. med. Paul Adolf Carl Clemens geprägt, den die Stadt 1921 auch zum Direktor berief. Wichtige Investitionen, die Clemens anmahnte, unterblieben durch die angespannte Finanzsituation der Stadt. Insgesamt handelte es sich dennoch um einen seinerzeit hochmodernen Komplex, der durch das eigene Heizhaus, die Wäscherei, Küche, Desinfektion und Apotheke mit Einschränkungen autark funktionierte.

NS-Zeit - Verfolgungen und kriegsbedingte Umnutzung

Ein dunkles Kapitel begann am 8. März 1933 mit dem Aufziehen der Hakenkreuzfahne am Küchwald-Krankenhaus. Die Ausgrenzung jüdischer Angestellten begann unmittelbar, Ärzte, Pfleger, Schwestern und Hauspersonal waren gleichermaßen davon betroffen. Der neue Krieg zeigte auch bald die gewohnten Folgen an der "Heimatfront". Bereits kurz nach Kriegsausbruch wurde das Küchwald-Krankenhaus der Wehrmacht als Reservelazarett zur Verfügung gestellt, wodurch die Kapazitäten für die Bevölkerung sanken.

Als technische Neuerung ist die Umstellung der elektrischen Anlage im Jahr 1937 festzuhalten. Die Schäden an den Gebäuden in Folge des Zweiten Weltkrieges hielten sich glücklicherweise in Grenzen.

DDR-Zeit - ungenügende Investionen, engagierte Mitarbeiter

Trotz geringer Kriegsschäden, die recht unproblematisch behoben werden konnten, fehlte der politische Wille, das Küchwald-Krankenhaus auf der Höhe der Zeit zu halten. Historiker halten es für möglich, dass die fehlende Lobby von Karl-Marx-Stadt in Berlin zu einem Desinteresse führte. Die Investitionen zu DDR-Zeiten in die Substanz hielten aufgrund der permanenten Mangelerscheinungen der Planwirtschaft den Erfordernissen nicht stand. Diese Tatsache führte bei der Bestandsaufnahme nach der Wende schnell zur Ernüchterung. Größere Investitionen für Sanierungen und Erweiterungsbauten waren unumgänglich, wenn das Küchwald-Krankenhaus erhalten bleiben sollte.

Sanierungen nach 1989

Nach der Wende konnte das Gros der Altbauten Zug um Zug saniert werden. Diese Häuser bieten einen vergleichbaren Komfort wie Neubauten. Nicht mehr erforderliche Bauten wie das einstige Heizhaus wurden abgerissen. Heute präsentiert sich der Standort Bürgerstraße 2/Küchwald als zeitgemäßer wie parallel grün umschlossener Gebäudekomplex zwischen Küchwald und Crimmitschauer Wald.

Bürgerstraße 2 / Küchwald – Neubauten

Versuchsbau für das Interhotel Kongress

Einen Sonderfall stellte der Versuchsbau für das Interhotel Kongress im damaligen Karl-Marx-Stadt dar, der ab Mai 1968 in Gleitbauweise auf dem Grundstück des Küchwald-Krankenhauses errichtet wurde.

Mit dem Gebäude, das direkt am Rand des Crimmitschauer Waldes lag, sollten Erfahrungen für eine Errichtung des Hotelhochhauses genutzt werden. Die Verwandtschaft zum 28-stöckigen Hotel in der Chemnitzer Innenstadt, das heute unter dem Namen Mercure betrieben wird, war nach dessen Sanierung nicht mehr so offenkundig wie einst. Lediglich die durchgehende Abstufung der Fassade verriet die historische Verbindung.

Das fünfgeschossige Haus, das lange Zeit als Schwesternwohnheim und im Erdgeschoss für den Betriebskindergarten Sonnenkinder diente, wurde im April/Mai 2008 abgerissen.

Neubauten zu DDR-Zeiten

Einziger größerer Neubau im Küchwald-Krankenhaus zu DDR-Zeiten war die Radiologische Klinik, die 1974/1975 nach einem Entwurf von J. Meyer gebaut wurde. Der Bau ist ein eingeschossiges Tiefkörpersystem mit innenliegenden Räumen für Diagnostik und Therapie. Ergänzt wurde dieses Gebäude von einem Neubau für Strahlentherapie, der von 1983 bis 1985 entstand.

Neubauten Häuser 37 bis 40

Mit Förderung durch den Freistaat Sachsen konnte von 1994 bis 1996 das Bettenhaus 37 errichtet werden, in dem die Klinik für Innere Medizin III (Hämatologie) arbeitete. Im Anschluss entstanden von 1997 bis 1999 drei weitere große Neubauten für die Klinik für Gefäßchirurgie, Klinik für Thoraxchirurgie, Klinik für Innere Medizin IV (Pulmologie) und Innere Medizin V (Nephrologie). Diese modernen und hellen Häuser bieten Ärzten und Pflegepersonal für Behandlung und Pflege unserer Patienten optimale Bedingungen.

Parkhaus Bürgerstraße 2 / Küchwald

Auf einem 1999 angekauften Grundstück gegenüber des Standortes Bürgerstraße 2/Küchwald wurde ein neues Parkhaus errichtet. Der erste Spatenstich war am 17. März 2006. Durch rechtliche Probleme kam es im Anschluss zu einem längeren Baustopp und einer Überplanung des Projekts, die mit einer Kapazitätsverringerung auf 413 Stellflächen einherging. Ende März 2008 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen. Seit Jahresende 2008 ist das Parkhaus in Betrieb.

Verbindungsbau Haus 2 / 3

Der Verbindungsbau zwischen den Häusern 2 und 3 wurde von 2008 bis 2010 errichtet. Das Gebäude stellt den zentralen Anlaufpunkt für Patienten und Besucher dar. Damit erhielt der Klinikkomplex Küchwald erstmals in seiner Geschichte einen Empfangsbereich für Patienten, Besucher und Angehörige.

Vom Parkhaus aus kann man das Haus über eine Fußgängerbrücke auf kurzem Weg erreichen. In der modern gestalteten Eingangshalle mit Wintergartenatmosphäre befinden sich neben der Patientenaufnahme auch die Kasse und die Information. Komplettiert wird die Ausstattung durch einen Geldautomaten, ein öffentliches Telefon sowie Automaten für Telefonkarten und Kopfhörer. Im Erdgeschoss sind neben der Cafeteria ein Kiosk und der Friseur untergebracht.

Das erste Obergeschoss beherbergt eine kardiologische Funktionsabteilung. Im zweiten Obergeschoss befinden sich ein moderner Konferenzraum und die Büros der Pflegedienstleitung.

Hybrid-Operationssaal

Der Hybrid-Operationssaal, der 2014 in Betrieb ging, stellt eine Kombination aus Operationssaal und einer vollwertigen Angiographieanlage dar. Dadurch ist es möglich, bestimmte Operationen am gesamten Gefäßsystem mittels 3D-Navigation ohne Röntgenstrahlung durchzuführen. Neben höherer Präzision wird parallel eine Strahlenreduktion für Patienten und Ärzte in Größenordnungen erreicht. Perspektivisch können in unserem Hybrid-OP auch aufwendigere Stents der gesamten Hauptschlagader, minimalinvasive Herzklappenimplantationen sowie weitere Anwendungen für unsere Patienten realisiert werden.

Die Medizintechnik im Hybrid-OP-Saal erlaubt es dem Operateur, während der Operation zeitgleich die behandelten Gefäße in farbigen 3D-Aufnahmen zu verfolgen, um zum Beispiel den Sitz eines Stents oder das OP-Ergebnis parallel begutachten zu können. Die erhöhte Präzision bei komplexeren Eingriffen, so auch an der Halsschlagader, kommt unseren Patienten zugute.

Für den neuen Hybrid-Operationssaal sowie die Erweiterung des Zentralen OP-Saals im Standort Küchwald wurden Investitionen von rund 6,1 Millionen Euro aus Eigenmitteln realisiert.

Neubau der Klinik für Innere Medizin III

Am 28. August 2015 wurde der Neubau der Klinik für Innere Medizin III - Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation - eröffnet.

Mit diesem Neubau wurden die Kapazitäten sowie die Behandlungsmöglichkeiten in den Bereichen Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation des Klinikums weiter ausgebaut und verbessert. Damit sind die erforderlichen Kapazitäten sowie die wohnortnahe Versorgung für hämatologische und onkologische Patienten langfristig gesichert. Mit dem Reinraumbereich erfüllen wir vollständig die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes zur medizinischen Versorgung von immunsupprimierten Patienten.

Zahlen und Fakten zum Neubau

  • Konzentration von Akut- und Transplantationspatienten auf einer Etage, die mit einer dreistufigen Filteranlage (Reinraumtechnologie) und Klimatisierung ausgerüstet ist
  • Kapazitätserhöhung auf 95 Betten in Einzel- und Zwei-Bettzimmern
  • 27 Behandlungsplätze in der Tagesklinik
  • Geschossfläche: rund 9.000 m²
  • Investitionen von rund 17 Millionen Euro, davon 11,6 Millionen Euro Förderung des Freistaates Sachsen sowie infrastrukturelle Leistungen

Dresdner Straße 178

Der Standort Dresdner Straße ist inzwischen der älteste des Klinikums Chemnitz. Von 1903 bis 1905 wurden die ersten Gebäude der damaligen Städtischen Nervenheilanstalt Hilbersdorf (Foto) an der Fernstraße nach Dresden errichtet. Die Lage direkt am Rand des Zeißigwalds war geprägt von einem grünen, ruhigen Umfeld, das für die Genesung von psychiatrischen und neurologischen Patienten von besonderem Interesse war und ist.

Psychiatrie

Der enorme Bedarf an stationärer psychiatrischer Betreuung ließ die Einrichtung an der Dresdner Straße, die am 11. April 1905 eröffnet worden war, schnell an ihre Grenzen stoßen. Ständige Erweiterungen und Umbauten konnten den Bedarf an psychiatrischer wie auch neurologischer Behandlung nur unzureichend abdecken. Dies lag begründet am allgemeinen Mangel, bedingt durch die zwei Weltkriege mit ihren folgenden Krisenzeiten, später nicht zuletzt an der Mangelwirtschaft der DDR. Diese Phase ging einher mit Personalmangel und einem starken baulichen Verfall. Letzterer führte nach der politischen Wende schließlich zu Überlegungen, den Standort ganz zu schließen und auf Neubauten an anderer Stelle zu setzen. Aufgrund der historischen Substanz, des grünen Umfelds und fehlender Alternativen wurde schließlich eine umfassende Rekonstruktion nahezu aller Gebäude schrittweise in Angriff genommen. Dieser Prozess ist heute im großen und ganzen abgeschlossen.

Erweiterungsbau - Klinik für Neurologie

Bereits 1909/1910 wurde ein großer Erweiterungsbau nach einem Entwurf von Stadtbaudirektor Richard Möbius errichtet, weil die Kapazität des Krankenhauses an der Dresdner Straße nicht mehr ausreichte. In dem Gebäude arbeitet seit vielen Jahren die Klinik für Neurologie, eine der größten Einrichtungen ihrer Art in Ostdeutschland.

Von 1994 bis 1998 erfolgte eine umfassende Sanierung des Hauses, 2001 die Errichtung eines Anbaus mit einhergehender Neugestaltung des Bereiches Neurologische Intensivmedizin.

Festsaal

Ins Gebäude der Klinik für Neurologie ist ein großer Festsaal integriert. Diese Lokation befindet sich nach einer Restaurierung wieder in einem weitgehend historischen Zustand und wird intensiv für interne wie öffentliche Veranstaltungen genutzt.

Erweiterungsbau im Bauhaus-Stil

Chemnitz zeigt sich in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts der architektonischen Moderne gegenüber sehr aufgeschlossen. Besonders in städtischer Regie entstanden eine Reihe von Gebäuden, die stark von den Ideen des Bauhauses und der Neuen Sachlichkeit inspiriert waren.

Dazu gehört auch das ehemalige Kurhaus, das von 1928 bis 1931 als ein nahezu makelloser Bauhaus-Entwurf von August Autewerber realisiert wurde. Die Gebäudegruppe mit Innenhof ist 90 Meter lang und in Nord-Süd-Richtung 70 tief. Auf große Krankensäle, die seinerzeit üblich waren, wurde im Interesse einer effektiven Heilbehandlung verzichtet. Neben Patienten- und Diensträumen waren moderne Sanitärbereiche, Speiseräume, Freiluftliegeplätze, Besuchsräume und Wohnbereiche für Personal eingerichtet.

Ab 1931 nutzte man das bestens durchdachte Gebäude als Sanatorium für Nervenkranke. Während der NS-Zeit erfolgte 1938 aufgrund politischen Drucks die Umwidmung zu einem Kinderkrankenhaus mit 200 Betten. Für die stationäre Versorgung psychiatrischer Patienten in Chemnitz war dies ein enormer Rückschlag.

Die Kinderklinik blieb bis 1999 im Hause und wurde erst in jenem Jahr in der Flemmingstraße 4 mit der Säuglingsklinik organisatorisch und baulich zur Klinik für Kinder- und Jugendmedizin zusammengefasst. Seitdem stehen alle Räumlichkeiten wieder der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters und der Klinik für Psychiatrie, Verhaltensmedizin und Psychosomatik zur Verfügung.

Da äußerlich seit der Errichtung kaum Umbauten vorgenommen wurden, ist der ursprüngliche Charakter mit seiner konsequenten Stilistik noch gut zu erkennen.

Geriatriezentrum

Von 1998 bis Anfang 2000 wurde an der Ostgrenze des Standortes Dresdner Straße das Geriatriezentrum am Klinikum Chemnitz errichtet. Helle, freundliche Zimmer, Begegnungsareale, Bewegungsbad und die ruhige, im Grünen eingebettete Lage eröffnet das optimale Umfeld für eine erfolgreiche geriatrische Rehabilitation.

Ehemalige und eingegliederte Einrichtungen

Krankenhaus Riedstraße

Ursprünglich wurde das Krankenhaus Riedstraße im Jahr 1901 als Badeanstalt Carolabad in Rabenstein errichtet. Jedoch fand 1913, aufgrund des Verfalls der Baderäume, der Umbau zur Taverne statt, die bis 1946 bestand. Ein Teil des Gebäudes wurde bereits ab November 1945 als Hilfskrankenhaus genutzt, um Infektionskranke aufzunehmen.

In den Jahren 1948 und 1949 begann das Einrichten als Tuberkuloseheim, gefolgt von der Umwandlung 1955 in ein Krankenhaus für chronische Krankheiten. Auch Patienten der Strahlenklinik Nordstraße wurden seit 1968 aufgenommen, für die bis zu 30 Betten im Gartenhaus zur Verfügung standen. Nach umfangreichen Rekonstruktionen des Gebäudes konnte im Januar 1976 ein Rehabilitationszentrum für Herzpatienten eröffnet werden.

Zum 1. November 1993 wurde die Rehabilitationsklinik Carolabad von der Stadt Chemnitz an eine private Betreibergesellschaft übergeben. Im Anschluss entstand zwischen 1995 und 1997 ein Erweiterungsbau, vorhandene Gebäudeteile wurden rekonstruiert. Bis heute arbeitet die Klinik Carolabad als Rehabilitationsklinik für Verhaltensmedizin, Psychosomatik, Psychotherapie und psychiatrische Rehabilitation.

Krankenhaus Stadtpark/Scheffelstraße

Ursprünglich als Kontor- und Fabrikgebäude der Presto-Werke errichtet, ließ der 1932 begründete deutsche Automobilmulti Auto-Union AG Chemnitz das große Gebäude im Jahr 1936 zu seiner Hauptverwaltung im sachlichen Stil umbauen. Das Krankenhaus Stadtpark wurde 1946 auf Befehl der sowjetischen Militärkommandatur als Spital mit Patientenzimmern und OP-Sälen eingerichtet.

Aus dem Provisorium eines Nachkriegskrankenhauses entwickelte sich schließlich eine Lösung über einen Zeitraum von 50 Jahren. Die Bettenzahl nahm durch Umstrukturierungen und Bedarfsanpassungen über die Jahre von 800 (1946) aber auf 300 (1990) ab. Neben dem Bereich Haut- und Geschlechtskrankheiten waren die Klinik für HNO, eine Abteilung für Innere Medizin und später für Sportmedizin eingerichtet. Seit 1980 bestand im Haus am Stadtpark eine selbstständige Abteilung für Hämatologie.

Generell war der Bau mit seiner ursprünglichen Büroarchitektur nur bedingt als Krankenhaus geeignet. Durch unzureichende Investitionsmaßnahmen wurde das in seiner Substanz insgesamt gute Gebäude zunehmend in Mitleidenschaft gezogen. Nach der Wende entsprachen die Zwei-, Vier- und Achtbettzimmer nicht mehr den geforderten Standards. Auch die sanitären Anlagen waren völlig unzureichend. Teilmodernisierungen in den 90er Jahren erbrachten letztlich nicht die erforderlichen Perspektiven.

Im Zuge der geographischen Konzentration des Klinikums mit dem Schwerpunkt Flemmingstraße sowie Bürgerstraße / Küchwald konnten schließlich alle Klinikbereiche an diese Standorte verlagert werden. Am 31. März 1997 wurde das Krankenhaus Stadtpark geschlossen und wieder an die Stadt Chemnitz übergeben.

Krankenhaus Zeisigwaldstraße

Das Krankenhaus Zeisigwaldstraße geht zurück auf ein Militärlazarett, dass von 1901-1905 errichtet wurde. Von 1945-1948 folgten Umbauten und Rekonstruktionen. Fortan firmierte die Einrichtung als Stadtkrankenhaus an der Planitzstraße und später als Krankenhaus Leninstraße sowie nach der Wende als Krankenhaus Zeisigwaldstraße.

Am 1. Oktober 1992 wurde die Einrichtung der Städtischen Kliniken Chemnitz von der Bethanien Krankenhaus Chemnitz gGmbH übernommen, die sich in der Trägerschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche befindet.

Krankenhaus Zschopauer Straße

Der Chemnitzer Stadtrat beschloss 1847 die Errichtung des ersten Großkrankenhauses in Chemnitz. Das Projekt war durch das Bevölkerungswachstum notwendig geworden. Die Grundsteinlegung erfolgte am 18. Mai 1852, die Eröffnung war bereits am 14. Oktober 1853. Anfänglich standen 130 Betten zur Verfügung.

In den folgenden Jahrzehnten wurden durch Umbauten (ehemaliges Militärhospital), Neubauten (teilweise auch Baracken) und Anbauten die Bettenkapazität und die Behandlungsbreite wesentlich erhöht. 1903-1905 entstand nach Plänen des legendären Chemnitzer Stadtbaurates Richard Möbius direkt an der Zschopauer Straße ein neues, großes Haupthaus. Die Kapazität des Krankenhauses stieg nach Aufstellung einer weiteren Baracke im Jahr 1912 auf 892 Betten. Über die Jahrzehnte wurden zahlreiche Disziplinen - davon einige nur temporär - im Krankenhaus Zschopauer Straße vertreten. Dazu zählen die Chirurgie, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Neurologie, Unfallchirurgie, Kinderheilkunde, Innere Medizin, Kieferchirurgie, Geburtshilfe, Psychiatrie, Kriegslazarett, Hals-Nasen-Ohren, Radiologie, Labordiagnostik und Pathologie.

Zerstörerische Schäden erlitt das Haupthaus durch den schweren Bombenangriff auf Chemnitz am 5. März 1945. Zu DDR-Zeiten sind dann nur wenige Neuerungen am Krankenhaus Zschopauer Straße festzustellen. 1947 erfolgte die Gründung einer Poliklinik, 1960 begann die Umgestaltung zu einer unfallchirurgischen Klinik. Dramatisch wurde schließlich der bauliche Verfall des Komplexes, der sich durch unterbliebene Werterhaltungsmaßnahmen noch verstärkte. Anfang 1982 wurde das Gebäude daher aufgeben, allerdings konnte dieser Kapazitätsverlust durch die Inbetriebnahme des neuen Bezirkskrankenhaus an der Flemmingstraße mehr als kompensiert werden.

Nach einer umfassenden Sanierung in den neunziger Jahren wird das verbliebene Haupthaus heute durch die Sächsische Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) genutzt.

Lungenheilstätte Borna

Die Lungenheilstätte Borna geht zurück auf den "Verein zur Bekämpfung der Schwindsucht in Chemnitz", der 1910/1911 im Norden der Stadt in schöner Waldlage eine Heilstätte errichtete. Am 11. Mai 1911 wurde der Betrieb in der König-Friedrich-August-Erholungsstätte aufgenommen.

Zunächst betreuten Diakonissen die Patienten, ein überwachender Arzt kam nur temporär in die Heilstätte. Seit 1920 war eine vollstationäre Behandlung gewährleistet. Die Umbenennung in Heilstätte Chemnitz-Borna fiel auf das Jahr 1925. Bis 1940 erfolgten auf Grund des enormen Bedarfs Zug um Zug Erweiterungsbauten.

Durch Artilleriebeschuss im Jahr 1945, als amerikanische Truppen Chemnitz befreiten, waren größere Schäden an der Einrichtung zu beklagen. 1946 übernahm die Stadt Chemnitz die Einrichtung, deren Bedeutung für die medizinische Betreuung von Tuberkulose-Patienten im Großraum Chemnitz ungebrochen war. Bis Ende der 50er Jahre erfolgten neben dem Wiederaufbau auch Neubauten.

Seit Mitte der 60er Jahre fungierte die Lungenheilanstalt als Klinik für Tuberkulose und Lungenkrankheiten. Enorme Veränderungen brachte die medikamentöse Behandlung der Tbc, die neben der verbesserten Lebenssituation die Zahl der Erkrankten massiv verminderte. In den 80er Jahren waren noch rund 125 Betten in Betrieb, diese Größenordnung sank in den 90ern auf rund 90 Betten.

Im Zuge der Konzentration mit der Gründung unserer Klinik für Innere Medizin IV Allergologie / Lungenerkrankungen / Schlafmedizin am Standort Bürgerstraße 2/Küchwald der Klinikum Chemnitz gGmbH wurde der hoffnungslos veraltete Komplex Ende 1998 aufgegeben. Die Immobilien und die Flächen verblieben bei der Stadt Chemnitz. Einige Gebäude der einstigen Lungenheilstätte Borna sind bis 2010 partiell noch existent gewesen, befanden sich aber in einem ruinösen Zustand. Anfang März 2011 beschloss der Chemnitzer Stadtrat, die verfallenen Gebäude abzureißen und auf die zeitweilig geplante Neubebauung des Areals zu verzichten. Ende 2011 gab die Stadtverwaltung die Pläne, im Areal Grundstücke für Einfamilienhäuser auszuweisen, mangels Interesse auf.

Strahlenklinik Nordstraße

Der ideelle Ursprung der Strahlenklinik an der Nordstraße steht in direkter Verbindung mit dem Beschluss der Errichtung eines Verwaltungsneubaus für die Ortskrankenkasse im Jahr 1926. Die Arbeiten begannen im Herbst 1929, am 15. Dezember 1931 war die Einweihung.

Die Architektur des Hauses ist im Stil der Neuen Sachlichkeit gehalten, die sich in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in zahlreichen Projekten in Chemnitz wiederfand. Der Chemnitzer Architekt Curt am Ende integrierte in seiner Ausführung auch Elemente, die man durchaus dem Bauhausstil zurechnen kann, dessen markantes Gebäude 1926 in Dessau errichtet wurde. Auffällig ist die hochwertige und dennoch reduziert wirkende Fassadenverkleidung mit Rochlitzer Porphyrtuff.

Das Röntgeninstitut war im Seitenflügel an der Nordstraße untergebracht, während die Hauptfassade des stadtbildprägenden Bauwerks der Müllerstraße zugewandt ist. Neben der Technik waren zunächst 20 Betten vorhanden. Neben dem angewandten Röntgen erfolgten seit 1932 auch Behandlungen mit Radium.

Infolge von Bombentreffern wurde 1945 ein Teil des Gebäudes zerstört, relativ zeitig erfolgte die Rekonstruktion. Ein Operationssaal und eine radio-chirurgische Station verbesserten seit 1953 die Behandlungsmöglichkeiten. Mitte der 60er Jahre sollen rund 90 Krankenhausbetten genutzt worden sein. 1966 erfolgte die Investition in ein Telekobalt-Gerät zur Bestrahlung.

1995 wurde der stationäre Bereich der Klinik geschlossen, bis 1999 verblieben noch ambulante Behandlungen. Im Zuge der sinnvollen Konzentration unserer Klinik für Radioonkologie am Standort Bürgerstraße/Küchwald der Klinikum Chemnitz gGmbH gab man den Standort 1999 endgültig auf. Nach Ausbau der Medizintechnik sowie einer Sanierung 2006/2007 nutzt die AOK plus die Räumlichkeiten als Büroeinheiten.

Die Klinikumstochter Poliklinik gGmbH Chemnitz nutzte von 1992 bis Ende 2011 Räumlichkeiten des Hauses als Physiotherapeutisches Zentrum Müllerstraße.

Fachkrankenhaus Waldenburg

Das Fachkrankenhaus Waldenburg und die Klinik für Lungenheilkunde in Zschadraß gehören indirekt zu unseren Altstandorten.

Im Schloss Waldenburg, dessen heutige Erscheinung im wesentlichen auf einen Umbau in den Jahren 1909 bis 1912 zurückgeht, wurde 1948 ein Fachkrankenhaus für Lungenkrankheiten eingerichtet. Damit konnten zum einen Behandlungskapazitäten für die große Zahl an Patienten mit Lungenkrankheiten nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen werden, zudem wurde der drohende Abriss des Schlosses, den "fortschrittliche Kräfte" betrieben, verhindert. Die seinerzeit nicht untypische Umwidmung galt zudem als ideologisch korrekt.

Die Nutzung als Fachkrankenhaus in den faktisch aber ungeeigneten Räumlichkeiten endete schließlich 1998. Unsere Klinik für Innere Medizin IV übernahm die verbliebenen Funktionen der Einrichtung.

Der dortige Landkreis als Eigentümer lässt seit 2005 das Gebäude sanieren. Zahlreiche Räume erinnern gegenwärtig noch die 50jährige Nutzung als Spezialkrankenhaus. Das Schloss ist der Allgemeinheit zugänglich und wird für Veranstaltungen genutzt. Aufgrund des teilweise perfekt erhaltenen Interieurs aus der Bauzeit eignet sich die Lokation auch für Dreharbeiten, so wurden Abschnitte des Films The Grand Budapest Hotel von Wes Anderson im Waldenburger Schloss aufgenommen.

Klinik für Lungenheilkunde Zschadraß

Die Klinik für Lungenheilkunde in Zschadraß, die über eine chirurgische Abteilung verfügte, war wie Waldenburg eine Nachkriegsgründung. Im Jahr 1998 erfolgte die Übertragung dieser Kapazitäten an die Klinik für Innere Medizin IV und die Klinik für Thoraxchirurgie der Klinikum Chemnitz gGmbH. Das Diakoniewerk Zschadraß betreibt das Haus weiterhin als Fachkrankenhaus für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychosomatik.

 

Medizinhistorische Sammlung des Klinikums

In der Medizinhistorischen Sammlung präsentierten wir Ihnen Sachzeugen aus der Geschichte des Klinikums Chemnitz und seiner Vorgänger. Die Entwicklung von ausgewählten medizinischen Verfahren dokumentieren wir anhand von Geräten sowie Bild- und Textmaterial.

Über einen Zeitraum von über 30 Jahren wurden Geräte, Instrumente, Bücher und Bilder zum Thema Medizingeschichte planmäßig gesammelt.

In den Ausstellungsräumen im Standort Bürgerstraße 2/Küchwald im früheren Badehaus (heute Haus 4) kann ein Teil dieser Exponate besichtigt werden.

Öffnungszeiten:
Montag, Mittwoch und Freitag
9 - 10.30 Uhr sowie nach Vereinbarung

Ansprechpartner/Kontakt:
Andreas Walther
Tel. 0371 333-42456 oder -42667 (Station K050)

Adresse:
Klinikum Chemnitz gGmbH
Medizinhistorische Sammlung
Bürgerstraße 2 / Küchwald
Haus 4
09113 Chemnitz

Ausgewählte Exponate der Sammlung

Qualität

Qualität steht bei uns an erster Stelle. Erfahren Sie mehr über unsere Qualitätsstandards.

Klinoskop

Lesen Sie online das Klinoskop, die Firmenzeitschrift des Klinikums Chemnitz.

Babygalerie

Wir sind in der Geburtshilfe des Klinikums Chemnitz zur Welt gekommen.